MDR

artour

Kultur, Magazin • 07.08.2026 • 01:40 - 02:10
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
artour - Das Kulturmagazin des MDR
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Kultur, Magazin
Hitze und Kultur Der Louvre in Paris musste wegen der Hitze früher schließen. Auch das British Museum machte die Schotten für einzelne Ausstellungsbereiche zeitweise komplett dicht. Erfurt dagegen überraschte kürzlich mit freiem Eintritt in alle städtischen Museen. Ab einer Temperatur von 30 Grad konnten sich die Menschen kostenlos in den klimatisierten Räumen abkühlen. Erfurt ist ein Beispiel dafür, wie Museen mit den immer häufiger werdenden Hitzeperioden umgehen. Auch andere Kultureinrichtungen müssen sich dem Klima anpassen, nicht nur zum Wohle der Besucher, sondern auch zum Schutz der Ausstellungsobjekte. Ideen dafür gibt es viele, eine Broschüre der "Kulturstiftung des Bundes" hat sie vor kurzem vorgestellt. Zur Umsetzung allerdings fehlt es oft an den finanziellen Mitteln. "artour" spricht mit dem Kulturdirektor der Stadt Erfurt, Christian Horn, der Direktorin des Deutschen Hygienemuseums in Dresden, Lisa Klamka, und besucht die Ausstellung "Sonne.Satt.Sommer in Leipzig" im Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig. Dokumentarfilm "Hiddensee" von Annekatrin Hendel Kaum ein Ort der ehemaligen DDR ist so eng mit Erinnerungen, Sehnsüchten und persönlichen Geschichten verbunden wie Hiddensee. Die autofreie Insel vor Rügen war Künstlerrefugium, Rückzugsort und Projektionsfläche zugleich - Gerhard Hauptmann und Asta Nielsen hatten hier ihre Villen, für viele war die Insel gerade in der DDR-Zeit ein Ort eines besonderen Freiheitsgefühls in der DDR. Die Regisseurin Annekatrin Hendel, Spezialistin für ambivalente Ost-Themen, widmet diesem Mythos nun einen bildgewaltigen, komplett in Schwarzweiß gedrehten Dokumentarfilm. Über ein Jahrhundert Inselgeschichte spannt sie den Bogen von der Künstlerbohème über die DDR bis in die Gegenwart. Dabei porträtiert sie Menschen, die Hiddensee geprägt haben, und fragt zugleich, wie sich die Insel verändert hat – und wohin sie sich entwickelt. Im Mittelpunkt des Films steht schließlich ein Konflikt, der weit über Hiddensee hinausweist: Wie viel Veränderung verträgt ein Sehnsuchtsort? Und wer entscheidet darüber? Zwischen Bürgermeister, Pfarrer und engagierten Inselbewohnern wird die kleine Ostseeinsel zum Spiegel größerer gesellschaftlicher Debatten.Wiederentdeckte Avantgarde in Halle - Edmund Kesting Eine Entdeckung ist zu machen, die wohl kaum jemand für möglich hielt. Ist über die klassische Avantgarde, die große Aufbruchsbewegung Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, nicht schon alles erforscht und dreimal ausgestellt? Im Kunstmuseum Moritzburg wird jetzt der Gegenbeweis angetreten, und erstmals ist das komplette Werk des Dresdner Malers und Fotografen Edmund Kesting (1892-1970) zu sehen. Zwar sind seine experimentellen Fotos seit langem bekannt, zwar gehörte er zum Sturm-Kreis um Herwarth Walden, doch wechselte er schnell die Metiers und Stile und kam entweder zu früh oder zu spät mit dem, was er erfand. Vor allem waren seine Malerei, seine Experimente damit, aus dem öffentlichen Bewusstsein seit einem dreiviertel Jahrhundert völlig verschwunden. Zunächst war Kesting Opfer der sogenannten Aktion "Entartete Kunst" in der NS-Zeit, in der DDR porträtierte er als Fotograf zwar die intellektuelle Elite, fiel als Maler aber unter das Verdikt der ‚formalistischen Kunst'. Sein Werk wurde in privaten Sammlungen weit verstreut. Die Ausstellung betont, dass Kesting vor allem mit seinen "Bildbauwerken" der frühen 20er Jahre - ‚gemalte' und collagierte Bilder, die die Grenzen der flächigen Malerei sprengen und in den Raum ausgreifen - in die Reihe der berühmten Avantgardisten wie Kurt Schwitters oder El Lissitzky gehört. Buch "Jenseits der Brandmauer" von Monchi Jan Gorkow alias Monchi, Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern, über seinen Alltag in der ostdeutschen Heimat: Als bei der Bundestagswahl 54 Prozent der Stimmen in seinem Geburtsort an die AfD gehen, kann er es nicht fassen. Dabei weiß Monchi längst: Ein Leben hier funktioniert nur neben- und miteinander, trotz aller Kontraste. Die Kneipe, in der die Band ihr Festival plant, wird auch für den AfD-Stammtisch genutzt. Auf dem Grundstück neben dem Proberaum hisst ein Nachbar die schwarz-weiß-rote Flagge. Aber die verschiedensten Menschen helfen mit, als ein Skatepark für die Jugend gebaut wird. Welche Ängste haben sie, welche Hoffnungen? Wie kann man es schaffen, trotz allem optimistisch in die Zukunft zu schauen? Monchi will bleiben, wo sich schon so viele verabschiedet haben, will vor Ort etwas bewegen. Um hoffentlich dort alt werden zu können, wo er es so sehr liebt wie nirgends sonst. Monchis Buch erscheint am 13.08. bei Kiepenheuer&Witsch. Kulturkalender * "Im Namen der geheiligten Mitte - Malerei von Hans-Hendrik Grimmling", Leipzig Baumwollspinnerei bis 15.8. * Cosy Festival, Dornburg (an der Elbe), 7. bis 10.8. * Yiddish Summer Festival, Weimar, bis 15.8.